Wenn 193 Kilo­me­ter uner­reich­bar werden

Chris­tine Hart­mann, Wahl-Ber­ne­rin mit Ost­schwei­zer­wur­zeln

So vieles war für den Früh­ling 2020 geplant. Eine lang­ersehnte Wei­ter­bil­dung in Han­no­ver, ein Well­ness-Sams­tag, ein Kon­zert im KKL, Besu­che in der Ost­schweiz, geschäft­li­che Ter­mine, Abend­essen mit Freun­den, … Die Agenda war voll und dann «Bäm». Mitte März hiess es: Lock­down and stay home.

Schnell war mir klar: Das wird eine Her­aus­for­de­rung. Nicht nur, weil die Ein­ar­bei­tung für den neuen Job nun per Tele­fon und E‑Mail erfol­gen musste, son­dern weil ich zu Hause «ein­ge­sperrt» war. Natür­lich nicht im klas­si­schen Sinn. Die Schwei­zer Regie­rung ver­hängte zum Glück kein Aus­geh­ver­bot. Aber die Mass­nah­men beinhal­te­ten, ein freund­li­ches «Blei­ben Sie wenn immer mög­lich zu Hause, reisen Sie nur, wenn es nicht anders geht und halten Sie Abstand». Meine Inter­pre­ta­tion des Ganzen war kurz zusam­men­ge­fasst «Stay at home» und zwar kon­se­quent und alleine.

Das Arbei­ten zu Hause war kein Pro­blem. Schnell war das Wohn­zim­mer zum Arbeits­platz umfunk­tio­niert, der Adap­ter für den Bild­schirm bestellt und die externe Tas­ta­tur ent­staubt. So weit so gut. Aber wie lernt man die neuen Arbeits­kol­le­gen kennen? Wie geht man die Über­gabe an? Wie findet man sich im Dschun­gel der neuen Arbeits­um­ge­bung zurecht? Meine Vor­gän­ge­rin und ich haben das Beste daraus gemacht. Merci N.!

Voll­brem­sung auf ganzer Linie

Die grös­sere Chal­lenge hatte ich in meiner Frei­zeit zu bewäl­ti­gen. Mein Bewe­gungs­ra­dius hat sich dras­tisch ein­ge­schränkt. Wer mich kennt, der weiss, dass ich viel – einige würden sagen, sehr, sehr viel – unter­wegs bin. Eine Voll­brem­sung auf ganzer Linie. Die ersten ein, zwei Wochen merkte ich noch nicht so rich­tig, wie mir der per­sön­li­che Aus­tausch und die Tref­fen fehl­ten. Zu sehr war ich mit dem neuen Job beschäf­tigt und konnte mich mit Fens­ter und Küche putzen und Net­flix & Co. ablen­ken.

Irgend­wann wurde mir aber schmerz­lich bewusst, dass ein Tele­fon- oder Video­an­ruf kein per­sön­li­ches Gespräch, keine Umar­mung ersetzt. Ein Spie­le­nach­mit­tag mit dem Gotti-Bueb und seiner Fami­lie per Zoom ist zwar eine schöne Alter­na­tive, macht das «Abwe­send sein» aber noch viel prä­sen­ter. Ich bin sehr dank­bar, dass ich mich mit dem «Alleine sein» und Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung schon vor Corona beschäf­tigt habe. So durfte ich auf dem Thema auf­bauen und ver­sank nicht in der Ein­sam­keit, der Lethar­gie oder im Nega­ti­vis­mus. Ich bin glück­lich und dank­bar über die freie Zeit, die mich gezwun­gen hat, die Ruhe und das «Zu Hause sein» aus­zu­hal­ten und die Zeit zu genies­sen. Ich bin auch sehr dank­bar, dass Corona mein nähe­res Umfeld und mich ver­schont hat.

Ich freue mich sehr, wenn es wieder heisst «Nächs­ter Halt Ost­schweiz» und ich die 193 Kilo­me­ter zu meinen Liebs­ten mit den ÖV, ohne Social Distancing und ohne Maske unter die Räder nehmen darf!

Adieu Corona, auf Nim­mer­wie­der­se­hen!

Dis­c­lai­mer: Die publi­zier­ten Bei­träge ent­hal­ten die Mei­nun­gen und Stand­punkte der Ver­fas­sen­den, nicht jene von Cro­nica Corona.

Und: Die Bei­träge sind nicht lek­to­riert, Fehler sind Cha­rak­ter und damit Teil der Authen­ti­zi­tät von Cro­nica Corona.

2 Gedanken zu „Wenn 193 Kilo­me­ter uner­reich­bar werden“

  1. Kirsten Hammerich

    So cool, Bravo für Euch beide! Ich finde es schön, dass auch mal Leute zu Wort kommen, die weder in «nor­ma­len» noch in «aus­ser­or­dent­li­chen» Zeiten nicht im Ram­pen­licht stehen. Sie haben näm­lich oft Essen­zi­el­le­res zu erzäh­len als die ewig schwa­dro­nie­ren­den und auf Selbst­pro­fi­lie­rung getrimm­ten Par­tei­po­li­ti­ker, Funk­tio­näre und B‑Prominenten. Weiter so, ich freu mich auf die nächs­ten Bei­träge!

    1. Ein herz­li­ches Merci Kirs­ten! Und defi­nitv, das mit dem Essen­zi­el­len ist eine grund­le­gende Erkennt­nis aus meinem Vor­pro­jekt. Man staunt was Kinder, Senio­rin­nen und Stille erzäh­len mögen wenn man ihnen ein­fach einmal zuhört. More to come 🙂

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