Soziale Nähe trotz social distancing

Von Regula Aeppli-Fankhauser.

Sie wurde im selben Jahr wie Neil Arm­strong gebo­ren. Für Men­schen mit diesem Jahr­gang ist 2020 ein rundes Jubi­lä­um­jahr, denn sie kamen vor 90 Jahren zur Welt!

Meine Mutter stellte trau­rig fest: «Coro­nabe­dingt darf es kein Fami­li­en­fest zu meinem 90. Geburts­tag geben.» Doch ihr Ehren­tag sollte trotz­dem ein unver­gess­li­cher werden – das war mein Vor­satz.

World Wide Web – welt­wei­tes Netz­werk ver­bin­det
Und so kam es, dass ich auf Face­book und Twit­ter die Ent­täu­schung meiner betag­ten Mutter teilte. Weil ich wusste, wie sehr sie Kin­der­zeich­nun­gen und Briefe liebt, rief ich dazu auf, ihr sol­ches zum Geburts­tag zu schen­ken. Ich gab jedem Inter­es­sier­ten per pri­va­ter Nach­richt meine Adresse bekannt und harrte gespannt der Dinge, welche der Pöst­ler (Post­bote) tat­säch­lich bereits ein paar Tage nach dem Aufruf brachte. Gern hätte ich gewusst, was ihm durch den Kopf ging, weil er uns wäh­rend ein paar Wochen täg­lich Briefe und gar Pakete brin­gen musste. Viel­leicht ver­mu­tete er, dass wir einen wich­ti­gen Job in der Corona Taskforce oder im Gesund­heits­be­reich hätten.

Blumen, Kin­der­bas­te­leien, schön gestal­tete Briefe mit wun­der­bar lie­be­vol­len Worten, Schoggi, Blumen, gar Wein, erreich­ten uns. Eine Mutter schrieb zu einer Kin­der­zeich­nung, dass ihr Kind nicht gerne zeichne, aber für diese alte Groß­mutter, welche sonst ihren Geburts­tag ganz alleine ver­brin­gen müsse, sei sie mit Eifer an der Zeich­nung geses­sen. Vom Klos­ter Stans erhielt sie eine Karte, von allen Kapu­zi­ne­rin­nen unter­schrie­ben und dabei lag die CD «Z’Buech vom Läbä» mit Mund­art­lie­dern der jüngs­ten Ordens­schwes­ter.

Über­wäl­tigt am 90. Geburts­tag
Am 28. März brachte unsere Fami­lie all diese Lie­bes­ga­ben vor die Haus­türe der Jubi­la­rin. Unver­ges­sen bleibt mir ihr über­rasch­ter, freu­di­ger Aus­druck, als sie aus dem Küchen­fens­ter auf uns hin­un­ter­blickte und zuhörte, wie wir ihr Happy Bir­th­day sangen. Sie staunte über unsere Erklä­rung, woher die vielen Geschenke stamm­ten. Noch heute kann sie es kaum fassen, zeigt mir hie und da einen Brief, einen ange­mal­ten Stein, einen Sche­ren­schnitt oder ande­res. Social Media ist ihr fremd, aber den­noch an ihrem Ehren­tag nah gekom­men. Bei Gele­gen­heit erzählt sie stolz, dass ihr der berühmte «Twit­ter- Abt» per­sön­lich am Tele­fon gra­tu­lierte. Er hat am selben Tag wie meine Mutter Geburts­tag.

Nicht alle Men­schen hin­ter­lie­ßen auf ihrem Geschenk einen Absen­der. Den­noch konnte ich an die 40 Dan­kes­kar­ten im Namen meiner Mutter schrei­ben, welche sich wun­derte, wie viele Freunde ich doch hätte. Dabei kenne ich die wenigs­ten davon außer­halb des Internets. 

Corona ver­langte nicht nur Distanz, son­dern in diesem Fall brachte sie Men­schen sogar näher.
 
Regula Aeppli-Fan­k­hau­ser, Becken­ried. Ihr Blog: gmer­kig.

 

Dis­c­lai­mer: Die publi­zier­ten Bei­träge ent­hal­ten die Mei­nun­gen und Stand­punkte der Ver­fas­sen­den, nicht jene von Cro­nica Corona. 

Und: Die Bei­träge sind nicht lek­to­riert, Fehler sind Cha­rak­ter und damit Teil der Authen­ti­zi­tät von Cro­nica Corona.

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